{"id":22524,"date":"2023-11-22T00:52:33","date_gmt":"2023-11-21T22:52:33","guid":{"rendered":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/?page_id=22524"},"modified":"2023-11-22T01:28:40","modified_gmt":"2023-11-21T23:28:40","slug":"der-grote-jann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/?page_id=22524","title":{"rendered":"Der &#8222;grote Jann&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>von B. Feldmann, Pfarrer und Kreisschulinspektor (1843-1917)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">In alter Zeit lebte in dem damals noch von jedem Verkehr abgeschnittenen Orte Kirchhellen ein einsamer Mann, den man allgemein nur den groten Jann nannte. Dieser hatte, wie uns die Sage berichtet, getrieben von uners\u00e4ttlicher Habgier, heimlich einen Grenzstein versetzt und sich so an fremdem Gut bereichert. Doch die Strafe f\u00fcr seine Freveltat blieb nicht aus. Schon zu Lebzeiten wegen seines unst\u00e4ten, zerfahrenen Wesens von den Leuten gemieden, fand er auch nach dem Tode im Grabe keine Ruhe. Sobald sich die Schatten der Nacht herniedersenken, muss er der dunklen Gruft entsteigen und in unheimlicher Schreckgestalt durch die weite Heide irren. Augen hat er so gro\u00df wie Wagenr\u00e4der, und auf dem Kopfe tr\u00e4gt er einen schweren, schweren M\u00fchlstein.<br>Niedergebeugt von der ungeheuren Last, l\u00e4sst er zum Entsetzen des vor\u00fcbergehenden Wanderers mit Mark und Bein durchdringender Grabesstimme den schauerlichen Klageruf ert\u00f6nen: &#8222;Juhuh! Wor sack\u2019n loten, wor sack\u2019n loten? Juhuh!&#8220; Einmal ist er sogar bis zum Fronhof gekommen, wo man ihn unter der Kellertreppe liegend gefunden hat. In ihrer Not baten die erschrockenen Leute die Patres von Dorsten, das Gespenst wegzubannen. Diese kamen denn auch und bannten den groten Jann wieder in die Hohe Heide hinein. Als sie ihn noch weiter wegbannen wollten, sind die Spinnen gekommen und haben ihnen den Mund zugewoben. So muss denn nun der Ungl\u00fcckliche allt\u00e4glich wieder seine m\u00fchevolle Wanderung antreten, und nicht eher wird ihm Erl\u00f6sung, bis er den Stein an die rechte Stelle zur\u00fcckgebracht hat, welchem Ziele er, wie es hei\u00dft, jedes Jahre um einen Hahnenschrei n\u00e4herkommen soll. \u2014 Diese heimische Sage habe ich vor mehr als drei\u00dfig Jahren in folgende Verse gebracht.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Wenn\u2019s Dunkel die einsame Heide<br>Umh\u00fcllet mit d\u00fcsterem Kleide,<br>Entsteigt am verrufenen Ort,<br>Wo jegliches Leben verdorrt,<br>Dem Grabe ein Mann, dessen Gier<br>Den Grenzstein verr\u00fcckt im Revier.<br><br>Gro\u00df ist er wie Riesen der Sage<br>Und tr\u00e4gt auf dem Haupte zur Plage<br>Des Marksteines wuchtige Last.<br>Er jagt ohne Ruhe und Rast<br>Durch\u2019s Heideland, \u00f6de und leer,<br>In endlosen Kreisen umher.<br><br>Verfolgt von den Geistern der H\u00f6lle,<br>Sucht angstvoll er nun nach der Stelle,<br>Wo anf\u00e4ngt das unrecht Gut.<br>Doch wehe dem Armen! Es ruht<br>Der Fluch stets auf all seiner M\u00fch\u2019,<br>Er findet die Grenzscheide nie.<br><br>Drum \u00e4chtzt er und seufzet und st\u00f6hnet<br>Wie Sturm, der die F\u00f6hren durcht\u00f6net,<br>Und schreiet: &#8222;Der Stein ist so schwer!\u201d\u2019<br>So irrt er alln\u00e4chtlich umher,<br>Bis morgens in\u2019s finstere Grab<br>Der Lichtscheue fliehet hinab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><em>aus: Gladbecker Bl\u00e4tter 1916, S. 96<\/em><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von B. Feldmann, Pfarrer und Kreisschulinspektor (1843-1917) In alter Zeit lebte in dem damals noch von jedem Verkehr abgeschnittenen Orte Kirchhellen ein einsamer Mann, den &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-22524","page","type-page","status-publish","hentry"],"acf":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22524","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22524"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22524\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22525,"href":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22524\/revisions\/22525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/historisches-kirchhellen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}